Abgrenzung der Buchung von Erträgen und bedingte Erträge

19.2.2018

Die Buchung von Erträgen wird mit dem Vorhandensein neuer Geschäftsmodelle komplizierter als in den Vorjahren. In vielen Fällen gilt nicht mehr, dass die Buchung von Erträgen zeitlich das Buchen der Mehrwertsteuer kopiert. Daher ist die Überprüfung der Verträge mit Kunden sowie der Verfahren, die wir bei der Erfassung der Erträge in der Buchhaltung anwenden, ein Muss.

Es gibt viele Sachverhalte, die das gewöhnliche Verfahren bei der Zuordnung der ganzen in Rechnung gestellten Erträge den aktuellen Buchungszeitraum ändern können. Es ist wesentlich das Rechtsverhältnis mit dem Kunden eindeutig zu verstehen. Man muss sorgfältig definieren und identifizieren, ob es jeweils um eine selbständige Leistung (Warenlieferung oder Dienstleistungserbringung) oder um eine allmähliche Leistung geht, oder ob weitere bedingte künftige Verpflichtungen entstehen. Nennen wir hier ein paar Beispiele aus der Praxis:

• Ertragssenkungen des aktuellen Zeitraumes durch Kundenboni, die gewöhnlich an die Umsatzerzielung gebunden sind, setzt eine sorgfältige Überprüfung der Verpflichtung zum Datum der Bonusabrechnung voraus. Spätestens zum Bilanzstichtag buchen wir den Abgrenzungsposten und senken zugleich unseren Ertrag.
Die künftige bedingte Verpflichtung der Preissenkung bei der Umsatzerzielung mit dem Kunden senkt den Ertrag in dem aktuellen Zeitraum. Dabei muss der Zeitpunkt der Preisermäßigungseinräumung nicht immer mit dem Ende des Buchungszeitraumes zusammenhängen. Ist vor der Erstellung des Jahresabschlusses eindeutig bekannt in welchem Umfang die Kunden die Bedingung in dem Folgezeitraum erfüllt haben, buchen wir sodann den Abgrenzungsposten und senken die Erträge. Für den Teil der künftigen Verpflichtung, bei der wir keine Sicherheit deren künftigen Erfüllung haben, bilden wir eine Rückstellung.
Gewährte gesetzliche Garantiefristen haben auf die Buchung des Ertrags in dem aktuellen Zeitraum keinen Einfluss und kommen hingegen in der Abschätzung der Höhe der Rückstellung in den Kosten zum Vorschein. Allerdings die nachträglich gebuchten Vertragsgarantien, am häufigsten die sog. Garantieverlängerungen, gelten als Erträge künftiger Perioden. Sie führen erst dann zu Erträgen, wenn die Garantie geltend gemacht wird bzw. von der Garantie kein Gebrauch mehr gemacht werden kann. Die Folgekosten für die durchgeführten Reparaturen innerhalb der Garantiefrist werden zum Zeitpunkt der Reparaturdurchführung gebucht und werden gerade diesem künftigen Ertrag zugeordnet.
Das Rückgaberecht für Waren binnen einer vertraglich festgelegten oder öffentlich erklärten Frist, das Endkunden gewährt wird, macht auch einen Teil des Ertrags im aktuellen Zeitraum unsicher. Es kommt dabei auf die Dauer der Frist an, innerhalb der die Ware zurückgegeben werden kann. Bei einer kurzen Frist für die Warenrückgabe (von Wochen) kann im Jahresabschluss der vorausgesetzte Betrag der Ertragssenkung für den aktuellen Zeitraum ziemlich genau beziffert werden, und zwar zusammen mit dem Betrag der Senkung der Kosten für die verkaufte Ware. Bei einer Warenrückgabefrist von Monaten, die über das Datum der Jahresabschlusserstellung hinausgeht, ist es nötig das vorausgesetzte Risiko der Ertragssenkung abzuschätzen. Die trifft häufig auf Geschäftspartner wie Geschäftsketten zu. Die künftige Verpflichtung ist jedoch eher durch eine Rückstellung zu lösen.
Die Verpflichtung des Rückkaufs oder Warenumtausches nach Erreichung der vereinbarten Frist hat eindeutig einen Einfluss auf die Beurteilung der zeitlichen Abgrenzung des Ertrags. Wird beim Verkauf ein zusätzlicher Ertrag über dem Rahmen des laufenden Ertrags aus der Ware erzielt, wird er am häufigsten als Ertrag der künftigen Perioden identifiziert. Die Aufwendungen für den Rückkauf bzw. für das neu gelieferte Produkt beim dessen Umtausch sind zeitlich als künftige Erträge abzugrenzen. Dieses Vertragsverhältnis darf jedoch nicht mit der Verpflichtung und dem Ertrag aus der Vermietung einer Sache verwechselt werden, die nach dem Ablauf einer vereinbarten Frist durch eine neue Sache ersetzt wird. Es gilt wieder der Mietmodus.
• Die Erkennung des tatsächlichen Rechtsverhältnisses ist beim Warenverkauf über Internetanbieter wie z.B. Amazon, von großem Belang. Es ist wichtig zu klären, ob der Internetanbieter Waren tatsächlich bei Lieferung gekauft hat und der Ertrag in den aktuellen Zeitraum hineingehört, oder ob er nur ein Angebot der Ware im E-Shop ermöglicht und lediglich Lagerung, Transport und Geldeinzug sichert. In so einem Fall ist der Ertrag erst bei dem Warenverkauf an den Kunden zu buchen und der Internetanbieter erhält gewöhnlich eine Verkaufsprovision.
• Bei der allmählichen Buchung der Erträge auf Grund des Werkvertrags vor der Fertigstellung des Werkes ist es wichtig Fälle zu erkennen, wann die Erträge der künftigen Perioden zu buchen sind oder wann hingegen zu den in den aktuellen Zeitraum aufgenommenen Erträgen ein Abgrenzungsposten oder eine Rückstellung auf die in Folgejahren aufgewandten Aufwendungen zu bilden sind. Damit hängt auch die richtige Bewertung der unfertigen Erzeugnisse zusammen.

In allen Fällen ist es geeignet das interne System der Ertragsanerkennung festzulegen und bei den angewandten Buchungsverfahren auch Argumente vorzubereiten, um die Körperschaftssteuergrundlage verteidigen zu können. Die tschechische Buchhaltung kann sich sicherlich durch den seit dem 01.01.2018 in Kraft getretenen internationalen Buchhaltungsstandard IFRS 15 inspirieren lassen.




Weitere Artikel des Verfassers Martin Tuček

© 2019 Moore Stephens. All rights reserved. Sitemap Datenschutz-Bestimmungen Design by aboutblank - creative web design