Audiovisuelle Werke werden zum laufenden Bestandteil des Marketings

20.2.2019

Mit dem Aufschwung der elektronischen Kommunikation benutzt auch Marketing mehr und mehr Präsentationen mittels Internet und elektronischer Anlagen. Neben den laufenden Webseiten mit der Platzierung der statischen Text- oder Bildinformationen begegnen wir oft auch kurze Videos. Die BuchhalterInnen sind unsicher, ob es sich um laufende Aufwendungen handelt, oder ob Vermögen zu aktivieren ist?

Bei der Vorbereitung einer solchen Kampagne setzen Sie nicht nur die eigenen Mitarbeiter ein, sondern machen Sie auch Gebrauch von den Dienstleistungen einer Marketingagentur oder eines externen Spezialisten. Die Tätigkeit umfasst in der Regel die Arbeit eines großen Teams von Leuten, wobei nicht nur Texte und Fotos entstehen, sondern sehr oft auch die erwähnten Videos. Solche Videos werden auf den Firmenwebseiten platziert, sie sind im Internet passiv oder aktiv im Rahmen der Marketingkampagnen zugänglich. Sie können von Vertriebsleuten beim Kunden oder auf der Messe genutzt werden. Oft werden sie den verbundenen Unternehmen zur Verfügung gestellt. Das Video kann ein realles Bild von Gegenständen oder Personen beinhalten, aber für dessen Bildung kann auch virtuelle Realität benutzt werden. Der Schöpfer muss dann nicht ein Regisseur oder Kamaramann sein, sondern kann auch Grafiker sein. Wie soll die ganze Sache richtig aus der Steuer- und Buchhaltungssicht behandelt werden?

Die Gesamtkosten, die für die Erzielung der Marketingzielen aufgewandt werden, sind sehr vielfältig, einige Outputs sind nur kurzfristig anwendbar, werden jedoch sehr oft langfristig benutzt. Bei der Beurteilung der Aufwendungen müssen wir entscheiden, ob es sich um laufende Kosten des aktuellen Zeitraums, mit mehreren Jahren zusammenhängenden Kosten handelt, oder ob langfristig genutzte Aktiva entstehen. Primär behandeln wir die Marketingaufwendungen wie Kosten der laufenden Geschäftsperiode, oft gilt ein audiovisuelles Werk als ein immaterieller Vermögensgegenstand.

Die Definition des audiovisuellen Werkes und der Lizenz für dessen Nutzung beinhaltet das Urhebergesetz.  Als ein audiovisuelles Werk gilt ein Werk, das durch die Anordnung der audiovisuell genutzten,  egal ob bearbeiteten oder nicht bearbeiteten Werke entstanden ist, das sich aus einer Reihe aufgenommenen miteinander zusammenhängenden Bildern zusammensetzt, die den Eindruck der Bewegung erwecken, die entweder mit dem Ton begleitet oder auch ohne Ton sind, die mit Sehkraft wahrnehbar sind, und werden sie mit Ton begleitet, dann auch mit dem Gehör wahrnehmbar sind. Überschreiten die Kosten für dessen Bildung 60 TCZK, dann wird es in der Buchhaltung für immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens gehalten. Die Regeln für die Abschreibung legt das Einkommenssteuergesetz fest, wobei das audiovisuelle Werk linear ohne Unterbrechung für mindestens 18 Monate, Software für 36 Monate und sonstige imaterielle Vermögensgegenstände (z. B. Lizenzen) für 72 Monate abgeschrieben werden. Die Gesetzesnovelle von 2017 brachte eine positive Änderung in der Abschreibungsweise durch das Einfügen des Wortes „mindestens“, daher können die immateriellen Vermögensgegenstände auch länger abgeschrieben werden. Das Grundmerkmal für die Bestimmung, ob die immateriellen Vermögensgegenstände als ein audiovisuelles Werk oder eine Lizenz einzustufen sind, ist der Umfang der Nutzungsrechte des Werkes, die uns zur Verfügung stehen. Die Urheberschaft und das Urheberrecht sind unübertragbar, der Urheber gewährt das Nutzungsrecht an dem Werk. Dieses Nutzungsrecht kann bedeutend eingeschränkt oder im Gegenteil ausschließlich und uneingeschränkt sein. Haben wir daher ein uneingeschränktes Lizenzrecht, das Werk direkt für uns angefertigt wurde und wir es uneingeschränkt nutzen, gewähren und präsentieren können, dann ist so ein Werk als immaterielle Vermögensgegenstände – audiovisuelles Werk einzustufen. Ist das Nutzungsrecht auf bestimmte Zeit beschränkt, wird die Jahresabschreibung als der Quotient des Eingangspreises und der vereinbarten Zeit ermittelt. Ist die Nutzungsdauer des Werkes nicht beschränkt, jedoch liegt das Nutzungsrecht nicht ausschließlich beim Eigentümer (Urheber) des Werkes, kann dasselbe Werk auch an andere Personen gewährt werden, z. B. an weitere verbundene Unternehmen Dann gilt die gewährte Lizenz als immaterielle Vermögensgegenstände mit der Abschreibungsdauer von mindestens 72 Monaten. Die Einstufung in die richtige Abschreibungsgruppe von einem fachmännischen Institut ist hier angebracht.

In Wirklichkeit überschreiten manche Kosten für die Bildung der einzelnen audiovisuellen Werke den Betrag von 60 TCZK innerhalb eines Geschäftsjahres nicht und werden zu laufenden Kosten in dem jeweiligen Zeitraum. Manche überschreiten diesen Betrag und sind als Anschaffung von immateriellen Vermögensgegenständen zu buchen. Werden audiovisuelle Werke für mehr als ein Jahr genutzt, dann kommt die Rechnungsabgrezung der Kosten, die für sie aufgewandt wurden. Der Grund für die Rechnungsabgrenzung dieser Kosten könnte die finanziell bedeutende einmalige Aufwendung in diesem Bereich sein, z. B. bei der Bildung neuer Webseiten oder einer bedeutenden Marketingkampagne. Eine durchlaufende Bildung und die Nutzung der gewöhnlich kurzen audiovisuellen Werke unter dem Limit des Anschaffungspreises von 60 TCZK werden zu laufenden Kosten im aktuellen Jahr. Vergessen wir nicht, dass ein Bestandteil des Anschaffungspreises der immateriellen Vermögensgegenstände auch die mit der Anschaffung zusammenhängenden Kosten sind, also ein Aufwand für den Anteil der Arbeit der eigenen Mitarbeiter, Anfertigung von Aufzeichnungen, Fotos, oder Texte, die bei der Bildung des audiovisuellen Werkes benutzt wurden. Dagegen die Beratungskosten, wie für das Unternehmen und seine Produkte zu werben, wo die audiovisuellen Werke auszustellen sind und eventuell die Sicherung so einer Platzierung, sind auch laufende Kosten des aktuellen Zeitraumes.

Die Anwendbarkeit und Preisgünstigkeit der technischen Mittel für die Bildung der audiovisuellen Werke ermöglicht den Unternehmen Videos in eigener Regie zu bilden und sie nicht nur für ihr Marketing zu nutzen, aber beispielsweise auch als Produktanweisungen oder für die Simulierung von Mängeln und Reparaturverfahren der Maschinen und Anlagen. Oft werden wir erwägen, ob es sich noch um ein audiovisuelles Werk oder bereits um eine Software handelt. Es ist daher empfehlenswert die Regeln für die Buchung dieser Kosten im Unternehmen in Form interner Linien zu definieren und die steuerlichen Zusammenhänge mit dem Steuerberater zu besprechen.




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