Brexit und praktische Auswirkungen auf das Steuergebiet

15.3.2019

Am 29.03.2019 endet in Großbritannien die zweijährige Frist für die Aushandlung der Bedingungen für den Austritt aus der EU und für die Regelung der Verhältnisse mit anderen Mitgliedsstaaten. Nachdem das britische Parlament das Brexit-Abkommen abgelehnt hatte, kommen einige mögliche Brexit-Szenarien in Frage. Befassen wir uns jetzt mit dem sog. harten Brexit aus Steuersicht, wenn Großbritannien aus der EU ohne Abkommen austritt.

  1. Indirekte Steuern

Nach dem Brexit wird Großbritannien aus EU-Sicht ein Drittland, ohne jegliche Zollbegünstigungen. Die eingeführten und ausgeführten Waren werden dem üblichen Zollverfahren und eventuell auch dem Zoll unterliegen. Aus Umsatzsteuersicht wird es weder möglich sein das vereinfachte Verfahren eines Dreieckgeschäfts anzuwenden noch Gebrauch vom Mini One Stop Shop für elektronische Dienstleistungen zu machen. Bei der Dienstleistungserbringung kann es zum Wechsel des Leistungsortes kommen. Die erbrachten Dienstleistungen können daher neu die Pflichtumsatzsteuerregistrierung in Großbritannien zur Folge haben.

  1. Direkte Steuern

Auch dieser Bereich wird vom harten Brexit betroffen sein, die europäischen Richtlinien werden nicht mehr gültig sein. Zum Beispiel die Ausschüttungen von Gewinnanteilen, Zinsen oder Lizenzgebühren zwischen der Muttergesellschaft und der Tochtergesellschaft werden der Quellensteuer nach dem Doppelbesteuerungsabkommen unterliegen, die weiterhin Anwendung findet. Es wird jedoch nicht möglich sein, Gebrauch von den vereinfachten Verfahren und Befreiungen nach der Verschmelzungsrichtlinie für die europaweite grenzüberschreitende Verschmelzung von Kapitalgesellschaften zu machen.

  1. Besteuerung von natürlichen Personen

Am 6. März 2019 wurde dem tschechischen Präsidenten das sog.  Brexitgesetz zur Unterzeichnung vorgelegt, das die negativen Auswirkungen vom harten Brexit auf natürliche Personen mildern soll. Der in Großbritannien Steuerpflichtige Brite kann in dem Veranlagungszeitraum, in dem der harte Brexit erfolgt, Freibeträge und Abzüge von der Steuergrundlage geltend machen wie der übliche EU-Steueransässige. Das Gesetz regelt unter anderem auch die mit den Aufenthaltsgenehmigungen und dem Zutritt der britischen Bürger zum Arbeitsmarkt Tschechien verbundenen Fragen.




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