Harter Brexit und Umsatzsteuer

16.10.2019

Wie kann man sich auf den „harten Brexit“ vorbereiten, wird er tatsächlich kommen? Nachstehend haben wir ein paar Tipps gesammelt, die als erster Schritt für die Erstellung eines Vorbereitungsplans auf den harten Brexit dienen können. Sollten Sie den Plan bereits fertig haben, können Sie die folgenden 20 Punkte als Checkliste benutzen, um sicher zu gehen, dass sie nichts vergessen haben.

 

  1. Hat Ihre Firma keine Erfahrungen mit Einfuhr- und Ausfuhrverfahren in Drittländern, versichern Sie sich, dass Ihre Mitarbeiter die unentbehrlichen Fachvorbereitungen erfahren haben und kontaktieren Sie einen Zollvertreter, der für Sie die verlangten Einfuhr- und Ausfuhrformalitäten erledigen kann, da nach dem durchgeführten Brexit die Regeln zwischen dem Vereinigten Königreich (UK) und den anderen 27 EU-Staaten nicht mehr gelten werden.
  2. Haben Sie schon die EORI-Nummer (Economic Operators’ Registration and Identification)? Jeder EU-Wirtschaftsteilnehmer, der Ware aus dem UK importiert oder ins UK exportiert, ist verpflichtet eine EU-EORI-Nr. zu haben und es kann sein, dass er auch eine UK- EORI-Nr. brauchen wird.
  3. Kennen Sie den richtigen Nomenklatur-Code für alle Ihre Erzeugnisse/Produkte?
  4. Kennen Sie die Herkunft Ihrer Erzeugnisse/Produkte nach Zollregeln über die Herkunft?
  5. Falls Sie exportieren, sind Sie im Stande auf Antrag dem Kunden eine Rechnung für dessen Zollabfertigung auszustellen?
  6. Sie müssen Ihr Umsatzsteuermeldungssystem so abändern, dass die Kunden und Lieferanten aus dem UK nicht mehr als „intra-Community“ bezeichnet werden. Überprüfen Sie, dass die verlangten Änderungen richtig vorgenommen wurden. Eine dem Kunden aus dem UK ausgestellte Gutschrift fürs Skonto nach der Brexit-Durchführung betreffend eine Lieferung vor der Brexit-Durchführung, wird auch weiterhin für „intra-Community“-Gutschrift gehalten. Vergessen Sie ferner nicht die Auswirkungen auf weitere Rechnungsflüsse zu prüfen. Beispielsweise wird auch das USt-System, das sich auf die Rechnungen der Speditionsfirmen bezieht, die Ihre Ware ins UK befördern, geändert. Für Buchhalter und IT-Mitarbeiter wird es schwierig sein sich zu vergewissern, dass alle Änderungen zur Brexit-Durchführung implementiert wurden. Möglicherweise wäre es angebracht keine Rechnungen an Kunden aus dem UK an den Tagen unmittelbar nach dem Brexit zu senden.
  7. Falls Sie bereits eine Rechnung mit der UK-MWST erhalten haben, die im Einklang mit der EU-MWST-Rückerstattung-Richtlinie (nachfolgend die „achte Richtlinie“) rückerstattet werden kann, sollten Sie nach ihr möglichst schnell verfahren, da im Falle des harten Brexits sich die achte Richtlinie nicht mehr auf die Rückerstattung der UK-MWST an die Unternehmen in der EU beziehen wird, diese werden dann nach der sog. „dreizehnten Richtlinie“ handeln müssen.
  8. Überprüfen Sie welche Incoterms (internationale Regeln zur Auslegung handelsüblicher Vertragsformeln in Außenhandelsverträgen) Sie beim Warenverkauf an die UK-Kunden benutzen, und ändern Sie diese je nach Bedarf für alle Angebote, die Sie bis heute versenden. In Ihren Angeboten berücksichtigen Sie Zusatzkosten, die nach dem Brexit eintreten, wie Ausfuhr- und Einfuhrformalitäten sowie Zölle.
  9. Rechnen Sie mit deutlich längeren Lieferfristen in das UK und zurück. Falls es nötig ist, schaffen Sie nachträglich notwendige Voraussetzungen für nicht lange haltbare Ware.
  10. Überprüfen Sie, welche Währung (Pfund, Euro, Dollar, Tschechische Krone oder eine andere Währung) die beste Wahl für die Rechnungsstellung an die Kunden im UK sein wird: der harte Brexit kann wesentliche Wechselkursschwankungen mit sich bringen.
  11. Geben Sie bei Ihren Abnehmern aus dem UK größere Bestellungen ein als gewöhnlich? Die UK-Regierung fordert britische Unternehmen auf, dass sie, wenn möglich, sichern, dass sie vor dem Brexit größere Vorräte als normal halten.
  12. Überprüfen Sie die Zollauswirkungen bei der Einfuhr und Ausfuhr – ist Ihr bisheriges Erzeugnis/Produkt immer noch verkaufbar im UK auch nach der Einfuhrzollauferlegung? Haben Sie Einfuhrzölle überprüft, die auf Grund der WTO-Tarife auferlegt werden können?
  13. Die Lieferungen, die Installationen im UK umfassen, sind aus USt- und Zollsicht neu zu behandeln.
  14. Verkäufe aus Konsignationslagern im UK und Einkäufe über Konsignationslager in der EU sind aus USt- und Zollsicht neu zu behandeln.
  15. Grenzüberschreitende Vertragsarbeiten mit dem UK sind aus USt- und Zollsicht neu zu behandeln.
  16. Wenn Ihre Firma regelmäßig Ware aus dem UK anschafft, ist die Berechnung des Nettobetrags bei der Einfuhr richtig vorzunehmen.
  17. Dreiecksgeschäfte (ABC-Geschäfte), die Warentransport ins oder aus dem UK beinhalten, sind aus USt- und Zollsicht neu zu behandeln.
  18. Internetgeschäfte, die Erzeugnisse an Endverbraucher im UK verkaufen (B2C), müssen ihre Verfahren bei der USt-Behandlung neu behandeln.
  19. Der Warentransport, der der Verbrauchssteuer zwischen dem UK und den EU-Ländern unterliegt, wird nicht mehr im Rahmen des EDV-gestützten Beförderungs- und Kontrollsystems für verbrauchsteuerpflichtige Waren (EMCS) möglich sein.
  20. Die Unternehmen, die Digitaldienstleistungen an Endverbraucher im UK verkaufen, können für die MWST-Erklärung Gebrauch von dem System Mini One Stop Shop (MOSS) machen.

 

Das sind nur ein paar Fragen, die zu erwägen sind, es handelt sich um nicht mehr als eine bloße Anfangsleitlinie. Jedes Unternehmen muss die Folgen des harten Brexits auf seine Geschäftstätigkeit individuell beurteilen und seinen eigenen Vorbereitungsplan erarbeiten.

 

Kommt es doch zum Brexit mit Abkommen?

In so einem Fall tritt ein Übergangszeitraum ein, der höchstwahrscheinlich mindestens bis Ende 2020 dauern wird, aber auch noch mal verlängert werden kann. Das Ziel wäre ein Abkommen über die künftigen Geschäftsbeziehungen zwischen dem UK und der EU während dieser Übergangszeit zu erreichen. Die Verhandlungen über die Bedingungen eines solchen Abkommens über freien Handel müssen erst begonnen werden.

Sofern es zu keinem Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königtum kommt, tritt der sog.  „Rückgang“ ein – Nordirland wird auch weiterhin im Einklang mit dem einheitlichen EU-Markt stehen, während der Rest des Vereinigten Königtums mit Nordirland (von hier aus auch mit der EU) durch eine Zollunion verbunden wird. Dadurch würde die Bildung der EU-Außengrenze zwischen Irland und Nordirland verhindert. Bei diesem Szenario müssten Zollformalitäten bei Warengeschäften aus dem UK (einschließlich Nordirlands) immer noch erfüllt werden, aber es wären keine Zölle fällig. Gerade dieser vereinbarte sog. Irland-Backstop ist der Streitkern im UK und kann nach Absegnung durch alle EU-Staaten noch umformuliert werden.

Fazit
Bei jedem, der regelmäßig Geschäfte mit Lieferanten oder Kunden aus dem Vereinigten Königreich macht, muss der Brexit in der Prioritätenliste an erster Stelle stehen und es sollte ein eigener Vorbereitungsplan zum Brexit erstellt werden.

 




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