TREUHANDFORM – Umsatzsteuerproblematik bei der Vermögenseinbringung

19.9.2017

Sachen müssen nicht notwendigerweise nur kompliziert sein, um richtig zu funktionieren. Eher im Gegenteil. Die einfache Lösung für Vermögensübertragungen von einer Generation  zur nächsten, für den Vermögensschutz während des Nachlassverfahrens sowie vor Gläubigern oder für die Nichtspaltung des Familienvermögens, können die Treuhandverhältnisse darstellen.

Bis Mitte 2017 mussten wir uns nicht so sehr mit der USt-Problematik bei Treuhandverhältnissen beschäftigen. Nicht etwa, dass die Treuhandformen nicht zu USt-Pflichtgen werden konnten. Für die Treuhandverhältnisse galten und gelten analoge USt-Regeln wie für Unternehmer und Unternehmen.  Treuhandformen wurden eher erst aus dem Grund der Ausübung einer Geschäftstätigkeit zu USt-Pflichtigen.

Mit der zum 1. Juli 2017 in Kraft getretenen Novelle des UstG wird die Lage geändert und es ist angebracht sich mit der USt-Problematik bereits bei der Treuhandgründung bzw. bei der Vermögenseinbringung in die Treuhand zu befassen. Die durch die Novelle des UstG vorgenommene Änderung ist gering, ja vielleicht sogar auch leicht übersehbar. Die Auswirkungen können jedoch im Falle einer falschen Anwendung erheblich sein. Worum geht es?

In den Gesetzesbestimmungen, die festlegen, was alles für USt-Zwecke als Warenlieferungen gilt, wurde die Einschränkung weggelassen, die die Vermögenseinbringungen lediglich in Handelskorporationen betrifft. Neu gilt daher als Warenlieferung jede Vermögenseinbringung, bei deren Anschaffung der Anspruch auf Vorsteuerabzug geltend gemacht wurde. Die Änderung betrifft somit – auch laut der Novellenbegründung – die Vermögenseinbringungen in die Treuhandformen.

Neuerdings soll der Vermögenseinbringende also sorgfältig beurteilen, wann und auf welche Art und Weise bei der Anschaffung des einzubringenden Vermögens der Anspruch auf den Vorsteuerabzug geltend gemacht wurde. War dies der Fall, ist weiter zu bestimmen, ob es sich um eine steuerpflichtige Leistung handelt oder ob eine der möglichen Steuerbefreiungen in Frage kommen könnte. Und das Wichtigste – ob und unter welchen Bedingungen die Treuhandform den Anspruch auf Steuerabzug von dem eingebrachten Vermögen haben wird, falls die Einbringung beim Einbringenden eine steuerpflichtige Leistung darstellt.

Die beschriebene Problematik wird auch weiterhin keine Bedeutung für Privatvermögenseinbringungen von natürlichen Personen, Nicht-USt-Pflichtigen (am häufigsten handelt es sich um Privatimmobilien, d.h. im Falle der sog. Familientreuhandformen) haben. Bringen Sie jedoch Vermögen ein oder haben Sie vor Firmenvermögen in eine Treuhand einzubringen, empfehle ich, dass Sie sich über diese Problematik vorher beraten lassen.




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