Umsatzsteuer und Rundung – wo ist die Rechtssicherheit?

22.11.2019

In der letzten Ausgabe haben wir Sie über die Änderung in der Berechnung und Rundung der Umsatzsteuer informiert. So wie die Zeit vergeht, verändert sich die Stellungnahme der tschechischen Finanzverwaltung zum Gesetz und wir können uns wie im Märchen „Die stolze Prinzessin“ vorkommen, in dem der König erklärt: „Ich widerrufe das Widerrufene und verspreche das Versprochene“.

In welchem Punkt ist es zur Veränderung der Stellungnahme gekommen? Die Finanzverwaltung hat am 14. Oktober 2019 eine überraschende Information zur Festsetzung des Nettobetrags bei bargeldlosen Zahlungen veröffentlicht. Sie informiert im Einzelnen, dass bei der Festsetzung des Nettobetrags bei bargeldlosen Zahlungen genauso wie bei Barzahlungen vorgegangen werden kann, d.h. der nach der Rundung entstandene Betrag wird nicht zum Bestandteil des Nettobetrags und unterliegt somit nicht der Umsatzsteuerabführung.

Bis zur Veröffentlichung dieser Information haben wir diese Vorgehensweise gar nicht mal bedacht, da es sich aus dem Gesetz ergibt, dass der Nettobetrag alles ist, was das Steuersubjekt als Vergütung ohne die Steuer erhalten soll, also auch einschließlich der Rundung. Das Gesetz regelt speziell nur die Festlegung des Nettobetrags bei Bargeldzahlungen, wenn dessen Bestandteil nicht der nach der Rundung entstandene Betrag ist.

Es ist befremdend, dass die Finanzverwaltung diese Information erst nach sechs Monaten der Wirksamkeit der Novelle, bzw. 14 Wochen nach dem Ende der Übergangszeit veröffentlicht hat, wenn manche von uns bereits nach dem Wortlaut des Gesetzes verfahren haben und eine Änderung in den Buchhaltungssoftwaresystem vorgenommen haben. Wo besteht also die Rechtssicherheit, wenn sich die Stellungnahme der Finanzverwaltung zum Wortlaut des Gesetzes mit der Zeit verändern kann? Es bleibt für uns nur noch zu hoffen, dass sich die Stellungnahme zur Rundung und Festlegung des Nettobetrags nicht mehr ändert.

Und wie ist also bei durch Rundung entstandenen Beträgen im bargeldlosen Zahlungsverkehr zu verfahren? Sie können wählen, ob Sie nach dem Wortlaut des Gesetzes verfahren werden und den Betrag steuerlich teilen oder ob Sie auf Grund des Grundsatzes der legitimen Erwartung Gebrauch von der neuen Information machen und den Betrag nicht besteuern.




Weitere Artikel des Verfassers Jindřich Novák

© 2019 Moore Stephens. All rights reserved. Sitemap Datenschutz-Bestimmungen Design by aboutblank - creative web design