Wie geht es mit der tschechischen Wirtschaftsprüfungsnovelle weiter?

16.6.2016

In der Abgeordnetenkammer wird aktuell die Novelle des Wirtschaftsprüfergesetzes verabschiedet, die verschärfte Vorschriften der Europäischen Union einführt. In der ganzen EU wird das Amt des Wirtschaftsprüfers mit öffentlichem Interesse verbunden, daher unterliegen die Wirtschaftsprüfer sehr strengen Anforderungen an Fachkenntnissen, Unabhängigkeit und ethisches Verhalten. Das Ziel der vorgeschlagenen Novelle ist die Festlegung von detaillierten Regeln, die eine sehr gute Qualität der Pflichtprüfungen insbesondere beim Subjekten des öffentlichen Interesses sichern, und die Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer.

Aus der Mitgliedschaft der Tschechischen Republik in der EU ergibt sich die Verpflichtung die EU-Gesetzgebung entsprechend ins tschechische Recht zu implementieren. Die Frist für die Implementierung der zusammenhängenden Verordnung des Europäischen Parlaments aus 2014 läuft am 16. Juni 2016 ab. Danach wird sie ohne Verabschiedung der Gesetzesnovelle im Parlament Bestandteil unserer Rechtsordnung.

Es handelt sich bereits um die zweite Novellierung des Wirtschaftsprüfergesetzes in relativ kurzer Zeit. Über die seit 01.01.2016 gültigen Novellierung hatten wir Sie bereits informiert, damals handelte es sich insbesondere um die Einführung der Pflicht zusammen mit dem Jahresabschluss auch den Jahresbericht und den Bericht über die Beziehungen zu verbundenen Unternehmen zu erstellen. Die verhandelte Novelle bringt neue Pflichten insbesondere für Subjekte des öffentlichen Interesses. Sie stellt ferner höhere Ansprüche an die Pflichtprüfung sowie die Prüfer selbst.

Unter dem Subjekt des öffentlichen Interesses versteht jeder automatisch eine Bank, Versicherungsgesellschaft bzw. einen Investmentfonds. Allerdings möchte ich auf einen Fall hinweisen: Wenn Sie sich entscheiden zusätzliche Finanzmittel für Ihre Geschäftstätigkeit in Form der Emission von Aktien oder Schuldverschreibungen zu erzielen, die auf dem europäischen Markt gehandelt werden. Sie werden in diesem Fall als Emittent – eine juristische Person – ebenfalls zum Subjekt des öffentlichen Interesses. Sie werden verpflichtet einen Prüfungsausschuss zu errichten, der die Wirksamkeit der internen Prüfung und der Pflichtprüfung beaufsichtigt und der einmal pro Jahr dem Rat für die öffentliche Prüfungsaufsicht seinen Tätigkeitsbericht vorlegt. Die neue gesetzliche Regelung erlegt den Subjekten des öffentlichen Interesses ebenfalls Pflichten auf. Im Falle eines Verstoßes begeht das Subjekt des öffentlichen Interesses ein Verwaltungsdelikt, das mit einer Geldstrafe bis zu 10 Mio. CZK (das wäre die maximale Höchststrafe für die gesetzwidrige Bestellung eines Prüfers) und bei anderen Gesetzesverstößen bis zu 1 Mio. CZK sanktioniert wird.

Ein Bereich, der ziemlich große Veränderungen erfuhr, ist die Bestellung des Wirtschaftsprüfers vom Subjekt des öffentlichen Interesses und die Einschränkung der Erbringung von Nichtprüfungsdienstleistungen bei diesen Subjekten. Öffentliche Subjekte dürfen Wirtschaftsprüfer höchstens für 20 Jahre bestellen, unter der Voraussetzung, dass nach dem Ablauf von 10 Jahren eine Ausschreibung stattfindet. Ferner betreffen weitere Veränderungen Teile, bei denen das Gesetz früher nur auf den Ethischen Kodex bzw. auf den Internationalen Qualitätsmanagementstandard verwies. Diese sind nun direkt in dem Gesetz formuliert. Wirtschaftsprüfer werden viel gründlicher überprüfen müssen, ob sie für die jeweilige Gesellschaft die Wirtschaftsprüfung vornehmen dürfen und werden auch ihre Prüfungsdokumentation ausführlich und genau ausarbeiten müssen.

Als Mitglied eines internationalen Netzwerkes mit weltweiter Tätigkeit implementierten wir diese Regeln bereits. Die Erfüllung aller regulatorischen Anforderungen ist für uns selbstverständlich. Sie können daher unbesorgt sein. Die gerade durchgeführten Wirtschaftsprüfungen erfüllen alle Qualitätskriterien und es bedeutet für Sie keinen größeren verwaltungstechnischen oder zeitlichen Aufwand.




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